Die Kölner Kartause

Spaziert man nördlich des Sachsenrings durch das Severinsviertel, stolpert man über mehrere Straßenschilder, die alle etwas gemeinsam haben. Ob Wall, Hof oder Gasse – sie alle tragen die Kartäuser im Namen. Manchmal trifft der Kartäuserwall auf den -hof:

Manchmal sieht die aufmerksame Spaziergängerin alte Straßenschilder:

Und manchmal ist es sogar ein sehr altes Straßenschild und noch dazu eine alte Schreibweise der Kartäuser…

Wer oder was waren die Kartäuser? Warum erinnern drei Straßenschilder zwischen Ulrepforte, Sachsenring und Severinstraße an sie? Und was verbindet diesen Teil des Severinsviertels mit einem grünen Kräuterlikor aus Frankreich? Das schauen wir uns jetzt genauer an!

Ein Mönchsorden an der Stadtmauer

Die Kartäuser waren ein katholischer Orden. Sein Gründer Bruno stammte aus Köln, legte den Grundstein für den Orden am Ende des 11. Jahrhunderts aber im heutigen Südostfrankreich, in der Nähe von Grenoble. Der Name Kartäuser geht auf das Gebirgsmassiv Chartreuse in den Voralpen zurück. Hier gründete Bruno mit Gefährten das Mutterkloster des Kartäuserordens: la Grande Chartreuse (die große Kartause). Eine Kartause ist also ein Kloster der Kartäuser und die große Kartause ist das Mutterschiff aller Kartausen.

Der Kartäuserorden ist ein kontemplativer Orden, dessen Angehörige sich ähnlich wie die Karmelitinnen auf der anderen Seite der Ulrichgasse dem Schweigen und Beten verschrieben haben. Die ersten Kartausen waren Männerklöster, im 12. Jahrhundert schlossen sich erstmals Frauen in einem Kartäuserinnenkloster zusammen.

Die Kölner Kartause wurde 1334 gegründet, gut 250 Jahre nach der Ordensgründung. Das Bauland befand sich am südlichen Ende der mittelalterlichen Stadt, direkt an der Stadtmauer. Auf dem Areal stand bereits eine Kapelle, die der heiligen Barbara geweiht war. Die Mönche übernahmen diese Widmung für ihre Klosterkirche. Die Kartause wuchs im Laufe der Zeit räumlich sowie personell, wurde mit vielen Schenkungen bedacht und legte sich eine umfangreiche Bibliothek zu.

Die napoleonischen Truppen brachten den Kartäusern – wie den Karmelitinnen – in Köln das Ende. Die Kartause wurde säkularisiert, die Mönche mussten das Kloster verlassen und der Orden wurde aufgelöst. Es folgten wechselhafte Zeiten für das Kloster. Die Franzosen und später die Preußen waren im 19. Jahrhundert wenig zimperlich in der Nutzung und rissen das Gelände teilweise ab. Die Preußen brachten unter anderem Pferde und Munition in den Gebäuden unter.

In den 1920er Jahren wurde die Kartäuserkirche, ehemals St. Barbara gewidmet, im Rahmen eines Kirchentauschs schließlich evangelisch. St. Pantaleon war katholisch geworden, weshalb die evangelische Gemeinde eine neue Bleibe suchte und in der Kartäusergasse fündig wurde.

Und damit schließt sich der Kreis zu unseren Straßenschildern. Ulrich- und Kartäusergasse, Kartäuserhof und Kartäuserwall umschließen das Gelände der alten Kartause, die es so nicht mehr gibt. Das Klosterareal, das damals am Stadtrand war, ist nun mittendrin. Die Kartause bietet die Zutaten einer klassischen Kölner Geschichte: reiches mittelalterliches Kloster, Ende mit der französischen Besetzung und Umnutzung durch die Preußen. Darauf stoßen wir an, zum Beispiel mit einem empfehlenswerten Kräuterlikör namens Chartreuse. Der wird übrigens von den Kartäusern noch heute in der Grande Chartreuse bei Grenoble hergestellt…

Zum Weiterlesen:

https://www.kartaeuserkirche-koeln.de/kartause.aspx
Die Kartäusergemeinde hat viele Informationen über ihr historisches Gelände zusammengetragen. Es lohnt sich reinzulesen!

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