Der Sicherheitshafen

Was verbindet den Theodor-Heuss-Park beim Ebertplatz mit der Bastei am Rhein? Sie sind die Überbleibsel eines erfolglosen Großbauprojektes vom Ende des 18. bis ins 19. Jahrhundert: des Sicherheitshafens. Vom Hafen selbst ist nichts mehr zu sehen, aber Park und Bastei führen uns auf seine Spur.

Vom verheerenden Eishochwasser…

Ein Sicherheitshafen ist ein Becken, in das sich Schiffe zurückziehen können, um sich vor Hochwasser und Eis zu schützen. Eisschollen auf dem Rhein sieht man heutzutage selten, aber das war nicht immer so. Der Winter 1784 brachte ein so verheerendes Eishochwasser, dass nicht nur Mülheim schwer zerstört wurde, sondern auch die am Rheinufer liegenden Schiffe. In den Folgejahren wandten sich Schiffer immer wieder an den Rat der Stadt Köln und forderten den Bau eines Sicherheitshafens. Man nahm sich der Sache an, erwog verschiedene Orte – und verschleppte die Sache.

Während der Franzosenzeit ab 1794 kam wieder Wind in die Angelegenheit. Neben den Schiffern traten nun als weitere Akteure die Handelskammer bzw. ihre Vorläufer, die städtische Verwaltung und die französische Präfektur auf den Plan. Sie zogen durchaus nicht alle an einem Strang. Im Gegenteil, die Handelskammer und die städtische Verwaltung hatten vor allem bei Frage, wer wie viel beizusteuern habe, verschiedene Ansichten.

Konflikte hin oder her: Der Präfekt des Rur-Departements stimmte dem Vorhaben, einen Sicherheitshafen zu bauen, 1809 zu. Das Rur-Departement mit der Hauptstadt Aachen war die territoriale Verwaltungseinheit des Kaiserreiches, zu der Köln gehörte. Der französische Ingenieur Abraham Gabriel Mossé entwickelte die Baupläne. Im Januar 1811 unterschrieb Napoleon ein Dekret über die Errichtung eines

Gare ou Port de sûreté à Cologne.

Sicherheitsbahnhofs oder -hafens in Köln. Zitiert nach: Mario Kramp, „Der ganze Bau stand von vornherein unter einem Unglücksstern.“ Der Sicherheitshafen: Köln und seine Großbaustelle 1788-1896, in: Geschichte in Köln 2017 (1), S. 71-97, S. 72.

Das geplante Becken sollte 500 Meter lang sein, etwa 50 Meter breit und sich gen Rhein wie ein Flaschenhals verengen. Die gemauerte Einfahrt für die Schiffe sollte nur 8,50 Meter breit sein und in spitzem Winkel zum Fluss stehen. Für die Einfahrt war eine Brücke vorgesehen. Als Ort hatte sich der Graben am nördlichen Ende der mittelalterlichen Stadtmauer durchgesetzt – dort, wo heute die Bastei steht.

Stadtplan von Köln um 1885, gemeinfrei. Der Plan ist nach Osten ausgerichtet. Der Hafen befindet sich am nördlichen Ende der Stadt (rechts unten). Ebenfalls erkennbar ist der Rheinauhafen im Süden.

Die Bauarbeiten begannen 1811 mit dem Aushub des Hafenbeckens, die Grundsteinlegung folgte 1812. Insgesamt lief der Bau schleppend, kam es doch immer wieder zu Streit um Finanzierung, Größe und Bauausführung. Dennoch überwinterten 1813 erste Schiffe im Hafen. Da war Napoleons Stern aber schon am Sinken, seine Feldzüge scheiterten. 1814 begann die Preußenzeit in Köln.

Phasenweise ruhte die Bautätigkeit, aber bald führte die preußische Stadtverwaltung die Erdarbeiten fort. Dabei ärgerte sie sich mit dem Bauunternehmer Pierre Paravey herum, dem sie eine schlechte Ausführung vorwarf. Der mühsame Bauprozess fand 1829 einen vorläufigen Abschluss. Der Sicherheitshafen war fertig und konnte genutzt werden.

Zum riesigen Tümpel

Schon kurz nach der Fertigstellung des Hafens trat die Fehlplanung zu Tage. Durch den spitzen Winkel zum Rhein war die Einfahrt bei Strömung sehr riskant. Breite Schiffe kamen ohnehin nicht hinein. Zudem war das Hafenbecken zu flach, Kies und Schlamm sammelten sich schnell. Wegen der mangelnden Tiefe konnte es keine größeren, etwa Dampfschiffe aufnehmen. Und schließlich waren die Uferbefestigungen unbrauchbar. Als Alternative wurde in den 1850er Jahren der erste Rheinauhafen gebaut.

Und der Sicherheitshafen? Er versandete und

wurde zu einem – wenn auch gigantischen und langgestreckten – Tümpel.

Ebd., S. 95.

Ein zugegebenermaßen hübscher Tümpel, wie das Bild um 1890 zeigt.

Hafenbecken in südlicher Blickrichtung. Um 1890, Fotograf unbekannt. Im Hintergrund ist die Kirche St. Kunibert zu sehen. Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_mf031887.

Das Ende des Hafens

So kam es, wie es kommen musste. Die Stadt entschied, dass der Hafen zugeschüttet werden sollte. Nicht zuletzt konnte Stadtbaumeister Josef Stübben auf diese Weise das Bauprojekt der Ringe fertigstellen. Die Ringe traten an die Stelle der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von 1895 bis 1896 verfüllten Bauarbeiter das Becken wieder mit Erde und legten einen Park am nördlichen Ende der Ringe an.

Parkanlage Deutscher Ring, 1899. Das Bild zeigt den heutigen Ebertplatz und dahinter den Theodor-Heuss-Ring. Fotograf unbekannt, gemeinfrei.

Dieses letzte Teilstück der Ringe hieß damals Deutscher Ring, heute Theodor-Heuss-Ring. Der Park ist der Theodor-Heuss-Park und hat in seiner Mitte einen Teich. Er erinnert, wenn auch in kleiner Form, an den vormaligen „gigantischen Tümpel“. In den 1970er Jahren dokumentierten Archäologen im Zuge von Bauarbeiten im Park die Reste des früheren Sicherheitshafens.

Sprung zurück in die Zeit und 500 Meter Richtung Rhein: Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts baute die Stadt Köln am Eingang des Sicherheitshafens eine Kaponniere. Eine Kaponniere ist ein massiver Raum in einer Festigungsanlage, um Angreifer im Befestigungsgraben beschießen zu können. Die Verteidigungsrichtung war in diesem Fall der Rhein.

Als der militärische Nutzen der Kaponniere passé war, setzte Architekt Wilhelm Riphahn 1923/1924 auf ihre Fundamente einen expressionistischen Restaurantbau: die Bastei. Ihr Überbau ragt mehrere Meter über das Rheinufer und muss den Gästen eine wunderbare Sicht beim Dinieren geboten haben. Der Restaurantbetrieb ist nun schon seit einigen Jahren geschlossen.

© Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

So bleiben von dem einstigen Großbauprojekt noch ein Weiher im Park und die Fundamente, auf denen heute die Bastei steht. Ach ja, und der Kronleuchtersaal. Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal…

Zum Weiterlesen:

Mario Kramp, „Der ganze Bau stand von vornherein unter einem Unglücksstern.“ Der Sicherheitshafen: Köln und seine Großbaustelle 1788-1896, in: Geschichte in Köln 2017 (1), S. 71-97: ausführlicher Überblick über eine laaaaaaaange Baugeschichte.

https://www.ebertplatz.de/wiki/Sicherheitshafen.html: Website rund um den Ebertplatz, die einen Abriss zum benachbarten Sicherheitshafen bietet.

https://museenkoeln.de/portal/bild-der-woche.aspx?bdw=2008_48: Hier gibt es mehr Infos zur Bastei, inklusive eines sehr schönen Nachtbildes.

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