Den Melaten-Friedhof habe ich schon einige Male für meinen Blog besucht und kehre heute zu einem altbekannten Fundstück zurück: dem Ehrenmal des deutsch-französischen Krieges. Es erinnert an die deutschen Soldaten, die 1870/1871 in Kölner Lazaretten gestorben waren. Das Denkmal trägt viele Erinnerungsschichten in sich, von preußischem Militärpatriotismus über Stadtgeschichte bis hin zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Reinlesen und Anschauen lohnt sich!
Heute aber wenden wir den Blick hinter das Ehrenmal. Direkt daran anschließend befindet sich eine Kriegsgräberanlage.

Die Anlage ist zweigeteilt. Die Gräber im hinteren Bereich, weiter vom Ehrenmal entfernt, sind hier zu sehen.

Sie erinnern an gestorbene Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die größtenteils liegende Grabplatten sind überwuchert und oftmals kaum mehr zu lesen. Die Gräber gleichen einander nicht wie ein Ei dem anderen, sondern erscheinen für eine Kriegsgräberanlage überraschend individuell. Wir wenden aber den Blick auf die andere Seite, Richtung Ehrenmal.

Die hier Bestatteten sind alle im Zweiten Weltkrieg gestorben und mit uniformen Steinkreuzen beerdigt worden. Die Kreuze tragen Vor- und Nachnamen sowie die Lebensdaten der Toten, die vermutlich vor allem den Bombenangriffen auf Köln zum Opfer fielen. Auch an diesen Gräbern hat der Zahn der Zeit genagt, wie der Moosbewuchs zeigt. Sie sind dennoch in besserem Zustand als die Grabplatten des Ersten Weltkriegs.

Etwas abgesondert vor den Grabreihen stehen drei Kreuze. Hier wurden der 36-jährige Alfons Froitzheim, der 55-jährige Heinrich Reibel und Wilhelm Leiting beerdigt, der im Alter von 44 gestorben war. Ihre Kreuze fallen nicht nur durch ihren Standort auf, sondern sind im Gegensatz zu den anderen miteinander verbunden. Außerdem sind die drei Bestatteten 1956 ums Leben gekommen, also deutlich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Was hat es damit auf sich?

Das Erbe des Krieges
Alfons Froitzheim, Heinrich Reibel und Wilhelm Leiting gehörten zu einem Bombenräumkommando. Sie beseitigten Bomben, Granaten und Munition, die es im Kölner Grund und Boden nach 1945 in großen Mengen gab. Die Stadt war während des Krieges so oft wie keine andere Ziel alliierter Luftangriffe gewesen.
Am 23. Januar 1956 war eine vierköpfige Gruppe um Froitzheim, Reibel und Leiting und Paul Herberger im Einsatz, um in einem Braunkohlentagebau der Roddergrube bei Brühl eine Bombe zu entschärfen. Bei dem Einsatz kamen alle vier ums Leben.
Wir beklagen mit den Angehörigen, den Freunden und der gesamten Kölner Bevölkerung den Tod dieser ausgezeichneten Männer, die (…) das eigene Leben einsetzten, um Gefahren von der Kölner Bevölkerung abzuwenden.
Das hielt die Kölner Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung wenige Tage nach dem Unglück fest. Der Redner ergänzte, Froitzheim, Reibel, Leiting und Herberger seien als Kriegsopfer anzusehen. Wohl deshalb fanden drei von ihnen ihre letzte Ruhe auf der Kriegsgräberanlage. Warum Herberger nicht mit seinen Kollegen beigesetzt wurde, ist unklar.
Der Friedhof und die Kriege
Das Ehrenmal und Kriegsgräberanlage erinnern an verschiedene Kriege – 1870/1871, 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 – und an verschiedene Opfergruppen: Soldaten und Zivilisten. Vor allem aber zeigt die Anordnung, wie der Krieg näher rückte. Im deutsch-französischen Krieg sowie im Ersten Weltkrieg erlebte Köln keine Kampfhandlungen. Die Opfer auf dem Melaten-Friedhof stammen aus Lazaretten vor Ort oder von der Frontlinie außerhalb des Rheinlands.
Das war im Zweiten Weltkrieg ganz anders. Die Bombenangriffe und später die Besetzung durch alliierte Truppen brachten den Krieg ins Deutsche Reich zurück, wo er seinen Anfang gefunden hatte. Davon zeugen die steinernen Kreuze auf dem Melaten-Friedhof.
Die Bombenangriffe als Erbe des Krieges wirken bis heute nach. In einer Bombenbilanz listete die Stadt Köln auf, dass 2023 insgesamt 21 Weltkriegsbomben, außerdem Granaten und Munition entdeckt worden seien. Je nach Größe und Lage geht die Entschärfung mit großangelegten Evakuierungen einher. Fast 20.000 Menschen mussten 2023 wegen einer Bombenentschärfung zwischenzeitlich ihr Zuhause verlassen. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn, wie es in der Bilanz heißt: „Die Bomben aus dem vergangenen Jahr werden nicht die letzten sein.“
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